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Kapitel 1 - eine unerwartete Reise: Wien - Salzburg

Kapitel 1

Tag 1 

Wien-Maria Taferl

Im Mai 2014 gehtes los, zwei Kollegen, zwei Rennräder, eines davon erst ein paar Tage vorher gebraucht besorgt. Natürlich auch noch viel zu klein für den zwei Meter großen Lasse. Aber egal im Ausgleich dazu war zumindest das eingepackte Gepäck viel zu groß und noch dazu in schlechtsitzenden, billigen Rucksäcken untergebracht. Zwei lange Hosen braucht jeder und für jeden Tag ein frisches T-shirt! Und jede Menge anderes Zeug. So standen wir an diesem Donnerstagmorgen im Mai vor der Wohnung von Lasse in Wien, Ottakring. Noch schnell ein Starterfoto, von der (mittlerweile Ex-)Freundin verabschieden und auf geht’s.

Wien, 2014: Startschuss einer Tour die schließlich durch ganz Europa führen sollte

Wie viele Kilometer sind das eigentlich bis Salzburg? Fragt Lasse. Gut als gebürtiger Norddeutscher kann er das nicht wissen, darum kläre ich ihn auf: 300 km auf dem direkten weg, aber ich hab uns eine super Route mit Google Maps geplant, vorbei an den Seen im schönen Salzkammergut! Also eher so 400..Die Zahl schreckte keinen von uns, was sind das pro Tag? Gerade mal 133,3333 dividiert man das mit einem Schnitt von 25 km in der Stunde sind das was? 5 Stunden und ein bisschen was – auf geht’s!

Höchst motiviert traten wir also in die Pedale, ordentlich flach geht es mal lange dahin, sagte ich. Zwei Minuten später kam der erste große Anstieg. Höhenprofil zeigte Google Maps damals noch keines. So wurden die Gespräche eingestellt und wir kurbelten bergauf. „Ein Berg, mitten in Wien!“ hörte man Lasse fluchen. Was mich an unsere bisher einzige gemeinsame Ausfahrt zuvor erinnerte, als wir ein paar Wochen davor den Neusiedlersee umrundeten, als Trainingsfahrt sozusagen. „Jetzt fahren wir schon seit Stunden um den See und ich hab noch kein einziges Mal den verdammten See gesehen!“ war Lasse’s genervte Reaktion. Ja der Schilfgürtel war an dem Tag genauso wenig unser Freund wie die glühende Hitze Anfang Mai und das alte Waffenrad, dass Lasse aus seinem Keller in Wien gefischt hatte. Letzen Endes umrundeten wir den See aber doch noch und das Besäufnis am Abend war jedenfalls legendär.

Ein lautes Donnern reißt mich aus den Gedanken. Was war das? Oh, der Himmel hatte seine Farbe verändert, von hellgrau auf dunkelschwarz. „Das reißt gleich auf“ sagte ich in optimistischer Stimmung, denn ich hatte ja noch das Wetter gecheckt auf dem I-phone, da kommt nix runter heut..

Eine Stunde später erreichen wir Tulln, nass wie ein alter Perserteppich auf dem Spermüll. Erstmal wo reinsetzen, da vorne ist ein Mc Donalds‘s schreit Lasse durch den Sturm. Selten war ich mehr erfreut die goldenen Bögen in der Ferne zu sehen. So saßen wir drinnen und überlegten. Was wenn das den ganzen Tag so weitergeht? Umdrehen geht auch nicht, die Hotels sind gebucht und nicht mehr stornierbar. Ein zwei Big Macs später entschieden wir weiterzufahren, aber zuerst noch alles in Plastik einpacken, die Rucksäcke waren nämlich so wasserdicht wie eine aufgerissene Mehlpackung.

Ich glaub es wird weniger, sagt Lasse, nur um gleich darauf von einem vorbeifahrenden Auto von oben bis unten mit Wasser bespritzt zu werden. Naja, immerhin waren wir jetzt auf dem berühmten Donauradweg der uns ab jetzt den ganzen Tag begleiten sollte. Ähnlich wie damals am Neusiedlersee konnten wir das Wasser allerdings auch immer nur zeitweise bestaunen. Also das Wasser in der Donau meine ich, vom Regenwasser war stets genug in unserer Sichtweite.

Irgendwann wurde der Regen aber tatsächlich weniger und es begann richtig Spaß zu machen. So sehr dass die Motivation mit mir durchging und ich mit dem Vorderrad vom Asphaltweg abkam und da Rennräder für vieles bekannt sind aber nicht für ihr gutes Reifenprofil riss es den Vorderreifen sogleich seitlich weg und mich auch. Zum Glück konnte der Sturz vom Asphalt gedämpft werden. Fazit: blutige Hand und verbogener Lenker. Aber nur leicht und somit kein Hinderniss weiterzufahren.

Als wir am späten Nachmittag wieder mal die verbleibenden Kilometer checkten war klar, dass wir doch nicht „früh ankommen“ wie wir bei der Planung unseres ersten, kurzen 120 Kilometer-Tages besprochen hatten. Immerhin waren wir jetzt in der Wachau und dort ist es wirklich genauso schön wie auf den Fotos, grüne Weinberge entlang der Donau, immer wieder kleine Weinorte mit vielen Restaurants und Heurigen-Lokalen. Leider war keine Zeit dort ordentlich zu tanken, das musste bis zum Abend warten.

Die Schönheit der Wachau

Gegen 18:00 war die Moral so dahin wie unsere Ausrüstung nass. Da vorne im nächsten Ort ist unser Hotel, sage ich. Lasse nickt nur noch stumm. „Einfach in den Ort nach Maria Taferl rein und dann rechts abbiegen, 5 km von dort liegt das Hotel, da gibt es ein Restaurant und auch eine Sauna!“ „5 Kilometer grübelt Lasse, das schaffen wir in 10-15 Minuten!“ Was wir natürlich nicht wussten war, dass das Hotel auf einer Anhöhe liegt. Also 5 Kilometer bergauf. Fluchend und erschöpft erreichen wir den Zufluchtsort. Zum Glück gibt es im Zimmer eine Minibar, das erste Bier geht fast auf Ex. Mehrere weitere Biere folgen im Hotelrestaurant, mit Ausblick auf die Donau. Naja theoretisch weil es war natürlich schon dunkel draußen. Dann noch ein paar Bier mit aufs Zimmer und Championsleage schauen. Passt.

Tag 2 

Maria Taferl-Traunkirchen

Am nächsten Morgen reißt der Wecker auf meinem Handy uns aus dem Schlaf der Tüchtigen oder wohl eher der Besoffenen. „Wie viele Bier waren das gestern?“ frag ich Lasse. „Drei“ sagt er, „oder doch sechs?“ Nach einem exzellenten Frühstück, diesmal wirklich mit Blick auf die Donau und einem erfreuten Blick auf den Wetterbericht – heute kein Regen – ging es ans einpacken. Unsere Sachen waren noch genauso durchnässt wie am Vortag, aber die trocknen dann in der Sonne, denke ich.

„Heute ist ein Großkampftag“ sage ich zu Lasse. „166 Kilometer bis an den schönen Traunsee, dafür morgen dann der finale, kürzere Tag nach Salzburg“. „Das klingt jetzt nicht soo schlimm“, sagt Lasse und schwingt sich aufs Rad. „Ich muss halt nur die 166 km irgendwie im Stehen fahren“ legt er daraufhin nach. „Hinsetzen ist nicht drinnen“. Mir geht es ähnlich, der Arsch schmerzt gewaltig. Das sind die Schmerzen großer Heldentaten denke ich und fahre abwechselnd im Stehen und abwechselnd im Sitzen.

Bernhard mal wieder auf der Suche nach dem richtigen Weg.

Riesige Rucksäcke und Google Maps als Navi

Bald verlassen wir den Donauradweg und biegen ab in das hügelige Gebiet des westlichen Niederösterreichs. Stundenlang geht es immer wieder kurz bergauf, dann wieder steil bergab. „Was für eine Scheiße!“ höre ich Lasse von hinten fluchen. Das ist tatsächlich eine Scheiße denke ich und wir fahren weiter.

Gegen Mittag halten wir bei einem Billa. Weit sind wir noch nicht gekommen. Während ich einkaufe, sitzt Lasse draußen im Schatten und überlegt sich eine Strategie. „Wenn ich meinen Pullover klein zusammenrolle und mir in die Radhose reinstopfe, dann tut das Sitzen nur noch halb so weh“, bestimmt er. Interessanter Ansatz, Hauptsache wir schaffen es heute noch zum Traunsee, bevor es dunkel wird.

Doch daraus wird nichts. Durch dass viel zu kleine Fahrrad und der Schmerzen kann Lasse nur ein viel langsameres Tempo als am Vortag fahren. Wir rechnen es durch, gerade einmal 80 km auf der Uhr, noch mehr als die Hälfte vor uns und beim derzeitigen Schnitt würden wir gegen Mitternacht ankommen. Lichter haben wir natürlich..keine auf den Rädern. Ein Abbruch wäre aber auch fatal, würde es bedeuten dass wir nicht die ganze Strecke von Wien bis Salzburg auf den Rädern zurückgelegt haben. Da kommt mir eine Idee. Bis zum nächsten großen Bahnhof sind es noch ca 20 km. Wenn wir von da einen Zug zum Traunsee nehmen hätten wir mit den morgigen 80 km zusammengerechnet die 300 km, die die kürzeste Strecke von Wien nach Salzburg darstellt, auf der Uhr.

So rollen wir eine Stunde später am Bahnhof von Ried im Innkreis in Oberösterreich ein. In der abgeranzten Bahnhofskneipe gibt es erstmal ein Bier und seltsame Blicke der anwesenden Kleinstadtalkoholiker als Lasse seinen Pullover aus der Hose zieht. Egal, Hauptsache ankommen. Kurz darauf sitzen wir schon im Zug nach Gmunden. Von da sind es dann nur noch ein paar entspannte Kilometer um den See, während es schon langsam dunkel wird, die Richtige Entscheidung also.

Das Hotel ist dafür oberste Klasse, direkt am See gelegen mit Badestrand und Wellnessbereich. Entsprechend teuer ist auch das Abendessen und natürlich die Bier. Aber Geld spielt an diesem Abend auch keine Rolle mehr. Morgen nochmal 80 km, das packen wir!

Endlich am Traunsee

Tag 3 

Traunkirchen - Salzburg

„Alter ist das geil“, das Salzkammergut entschädigt für die letzten beiden Tage. Bekannt für seine vielen, kristallblauen Seen ist die Region ein beliebter Touristenhotspot in Österreich. Wir fahren in der früh über einen kleinen Berg, es geht zwar recht steil hinauf, dafür sind wir in einer Stunde oben und ab da ist Partystimmung angesagt. Nach der Abfahrt geht es die diversen Seen entlang, auf schönen Radwegen und mit unglaublich schönem Panorama. Mittagspause machen wir am Ufer des Mondsees und genehmigen uns zur Feier des Tages auch schon ein Bier. Aber nur eines denn ein Stück haben wir noch vor uns.

Mittagspause im Salzkammergut

Doch die letzten Kilometer rauschen nur so vorbei. Mit leichtem Gefälle und auf einem Radweg der direkt ins Zentrum von Salzburg führt fahren wir wie große Helden in die Stadt ein. Parade gibt es zwar keine für uns aber das Triumphgefühl ist unglaublich. Das Hotel ist rasch gefunden. „Was machen wir mit den stinkenden Unterhosen?“ fragt Lasse nach dem Einchecken. „Rein in den Wandschrank“, schlag ich vor und das machen wir dann auch. Ein Siegesbier im Hotelzimmer, rasch geduscht und ab hinein in das hochverdiente Salzburger Nachtleben.

In einem typischen, Salzburger Lokal essen wir erstmal ca die Hälfte unseres Körpergewichts. Das traditionelle Weißbier tut sein übriges dazu. „Jetzt brauchen wir was schärferes“, schlag ich vor und wir gehen ein Lokal weiter wo es dann auch Cuba Libre gibt. An diesem historischen Abend treffen wir eine Entscheidung. Es muss weitergehen! Zwar nicht sofort, denn zuhause wartet die Arbeit, aber nächstes Jahr oder so. Zumindest bis Bregenz, dem anderen Ende von Österreich wollen wir fahren. Startpunkt ist dann klarere Weise Salzburg, das sollte doch machbar sein. Euphorisch wurde die ganze Nacht weitergefeiert und die Zugfahrt am nächsten Tag war keine große Freude. Für die Putzfrauen, die nach unserer Reise das Zimmer und vor allem den Wandschrank – die Kammer des Schreckens – reinigen mussten war dieser Tag mit Sicherheit noch weniger eine Freude. Als wir daheim ankamen war uns eines aber noch nicht klar, dass dieser Trip noch weit länger dauern würde als nur ein paar zusätzliche Tage im nächsten Sommer und das es uns viel weiter von zuhause weg verschlagen würde als wir uns jemals vorstellen konnten mit dem Rad zu fahren.

Viel zu kleines Fahrrad und hässliche orange Jacke

 

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